Reverse-Charge / Umkehr der Steuerschuldnerschaft (UStVA, DATEV...)

Hier erklären wir dir das Reverse-Charge Verfahren und wie du es in sevDesk anwendest

Das Reverse-Charge-Verfahren wird als die Umkehrung der Steuerschuldnerschaft oder auch Abzugsverfahren bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Spezialregelung im Umsatzsteuerrecht. Nicht der Unternehmer, der die Leistung erbringt, zahlt die Umsatzsteuer, sondern der Empfänger (Kunde) der Leistung muss die Umsatzsteuer errichten. Mehr dazu in unserem Lexikon.

 

1. Reverse Charge im UStVA-Formular

Es ergeben sich in der Umsatzsteuer-Voranmeldung folgende Trennungen zwischen dem debitorischen Bereich (Ausgangsrechnungen) und dem kreditorischen Bereich (Eingangsrechnungen).  

Debitorischen Umsätze:

  • Zeile 49, Kz. 60: Hier sind sämtliche im Inland ausgeführten Umsätze einzutragen, bei denen der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer nach § 13b UStG schuldet.
  • Zeile 50, Kz. 21: Hier sind die nach § 3a Abs. 2 UStG im übrigen Gemeinschaftsgebiet ausgeführten sonstigen Leistungen einzutragen, für die die Steuer in einem anderen Mitgliedstaat von einem dort ansässigen Leistungsempfänger im Reverse-Charge-Verfahren geschuldet wird. Diese sonstigen Leistungen sind auch in der Zusammenfassenden Meldungen zu erfassen.

 

Kreditorische Eingangsumsätze und Steuerbeträge:

  • Zeile 40, Kz. 46 und 47: Hier sind die von einem im übrigen Gemeinschaftsgebiet ansässigen Unternehmer bezogenen sonstigen Leistungen nach § 3a Abs. 2 UStG und die darauf entfallenden Steuerbeträge einzutragen. Diese Umsätze meldet der im übrigen Gemeinschaftsgebiet ansässige Unternehmer ebenfalls in seiner dortigen Zusammenfassenden Meldung, sodass über diese Kz. in der Voranmeldung des Leistungsempfängers grundsätzlich ein Abgleich möglich sein sollte.
  • Zeile 41, Kz. 73 und 74: Hier sind die unter das Grunderwerbsteuergesetz fallenden Umsätze, insbesondere bezogenen Lieferungen von Grundstücken, für die der leistende Unternehmer nach § 9 Abs. 3 UStG zur Steuerpflicht optiert hat, sowie die darauf entfallenden Steuerbeträge einzutragen.
  • Zeile 42, Kz. 84 und 85: Hier sind sämtliche übrigen unter die Steuerschuldübernahme im Inland fallenden bezogenen Lieferungen und sonstige Leistungen mit den darauf entfallenden Steuerbeträgen einzutragen.

 

2. Umsatzsteuerregel für Ausgabebelege

Um Reverse-Charge auf deine Ausgabebelege anzuwenden, musst du zuerst eine gesonderte Umsatzsteuerregelung anlegen.

Du hast dafür zwei Möglichkeiten: Entweder klickst du in der Belegerfassungsmaske auf + Umsatzsteuerregelung anlegen ODER du gehst im Hauptmenü zu Einstellungen → Buchhaltung → Umsatzsteuerregelungen. Siehe dazu auch den Hilfeartikel Umsatzsteuerregelungen.

Achte bei der Erfassung des Beleges darauf, dass du den Aufwand mit 0 % Umsatzsteuer eingibst.  

In unserem Beispiel siehst du die Umsatzsteuerregel für bezogene Leistungen aus dem Drittland (z. B. Schweiz, Norwegen, USA, etc):

Beim Anlegen muss ein Beschreibungstext (für die eigene Betitelung), ein Steuersatz (19 %, 7 %, etc.) und das entscheidende UStVA-Feld gewählt werden. Bei der Auswahl gibt es einige 3er Kombinationen (z. B. 46 / 47 / 67). Die 3er Kombinationen sind alle für den Reverse-Charge-Fall gedacht und funktionieren alle nach dem gleichen Prinzip.

Der Netto-Betrag wird auf das erste Feld gemeldet (z. B. 46) und die Umsatzsteuer auf das zweite Feld (z. B. 47). Für die Umkehr der Umsatzsteuer wird der USt-Betrag aus dem zweiten Feld auch in das dritte Feld (z. B. 67) als Vorsteuer gemeldet. Der Betrag aus dem zweiten und dem dritten Feld gleichen sich somit wieder aus. Es ergibt sich für die Umsatzsteuer daraus eine Zahllast von 0,00 €.

Welche dieser 3er Kombinationen für dich zutreffend sind, muss im Einzelfall entschieden werden. Hier kann dir ein Steuerberater und ggf. auch das Finanzamt eine Auskunft erteilen. 

 

3. Ausgabebelege mit Reverse-Charge verbuchen

Beim Verbuchen von Ausgabebelegen in sevDesk kannst du unter Umsatzsteuerregelung wählen, nach welcher Umsatzsteuerregelung dieser Beleg verbucht werden soll. Diese Auswahl hat Auswirkungen auf den DATEV-Export, die UStVA und die Zusammenfassende Meldung.

Beachte! Nach der Auswahl der Umsatzsteuerregel ist das Feld Umsatzsteuer in % unbedingt auf 0 % manuell anzupassen!

 

4. Umsatzsteuerregel für Rechnungen

Um Reverse-Charge auf deine Rechnungen und Einnahmebelege anzuwenden, musst du zuerst eine gesonderte Umsatzsteuerregelung anlegen.

Du hast dafür zwei Möglichkeiten: Entweder klickst du in der Rechnungsmaske auf + Umsatzsteuerregelung anlegen ODER du gehst im Hauptmenü zu Einstellungen → Buchhaltung → Umsatzsteuerregelungen. Siehe dazu auch den Hilfeartikel Umsatzsteuerregelungen.

Hier ein Beispiel für die Umsatzsteuerregel:

Im Bereich Rechnungen haben wir bereits diese Umsatzsteuerregelung bereitgestellt: 

Diese Einnahmen fließen in das Feld 45 deiner Umsatzsteuervoranmeldung.

5. Wichtige Änderung ab Januar 2019

Um die Umsatzsteuervoranmeldung weiter zu vereinfachen, hat das Bundesministerium für Finanzen die Vordruckmuster der Formulare zum Jahr 2019 angepasst. In den Fällen der Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers nach § 13b UStG müssen die Umsätze nun nicht mehr thematisch aufgeteilt werden, sondern werden zusammen gemeldet. 

 

Deine bisher genutzten Umsatzsteuerregelungen können daher ab 2019 nicht mehr korrekt greifen.

Daher empfiehlt es sich hier nochmals mit deinem Steuerberater Rücksprache zu halten und am besten eine weitere Reverse-Charge-Regelung in sevDesk anzulegen. Deine bestehende Reverse-Charge-Regelung ist weiterhin korrekt für alle Nachmeldungen oder Korrekturen für das Jahr 2018 im alten Vordrucksmuster.

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Das Reverse-Charge-Verfahren wird als die Umkehrung der Steuerschuldnerschaft oder auch Abzugsverfahren bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Spezialregelung im Umsatzsteuerrecht. Nicht der Unternehmer, der die Leistung erbringt, zahlt die Umsatzsteuer, sondern der Empfänger (Kunde) der Leistung muss die Umsatzsteuer errichten. Mehr dazu in unserem Lexikon.